Bayerischer Buchpreis (2 x 10.000 €)

Der Bayerische Buchpreis wurde 2014 zum ersten Mal vergeben und ist mit 10.000 € für jeweils Belletristik und Sachbuch dotiert.
Im ersten Jahr (2014) der Verleihung gab es null Frauen und sechs Männer auf den beiden Shortlist`s, und demnach gab es zwei männliche Gewinner und keine Gewinnerin.
2016 sind die Shortlist`s paritätisch besetzt.

Frauen/Männer
2016
Jury: 2/1
Shortlist Sachbuch: 2/1
Gewinner/in Sachbuch: Dez 2016
Shortbuch Belletristik: 1/2
Gewinner/in Belletristik: Dez 2016

2015
Jury: 2/1
Shortlist Sachbuch: 1/2
Gewinner/in Sachbuch: Reiner Stach
Shortbuch Belletristik: 1/2
Gewinner/in: Angela Steidele

2014
Jury: 2/1
Shortlist Sachbuch: 0/3
Gewinner/in Sachbuch: Ulrich Herbert
Shortbuch Belletristik: 0/3
Gewinner/in: Thomas Hettche

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Der Stefan-Heym-Preis

… wird im April 2017 erstmals an eine Frau gegeben: Joanna Bator.
Er ist mit 20.000 € dotiert.

Bisherige Preisträger:
2013 Christoph Hein
2011 Bora Ćosić
2008 Amos Oz

guerrilla-11In Geld sieht das dann so aus: Bislang gingen 20.000 € an Frauen (bzw. die eine) und 60.000 € an Männer.

Nina George sorgt für AutorInnen

Im Oktober 2016 wurde in Berlin auf Initiative der Schriftstellerin Nina George von neun SchriftstellerInnen-Verbänden das „Netzwerk Autorenrechte“ gegründet. Das Netzwerk soll für die Lobby von Autorinnen und Autoren gegenüber Politik, Verlagen, Bibliotheken, Digitalunternehmen, Geräte­herstellern oder GesetzgeberInnen eintreten.Zum Netzwerk Autorenrechte gehören: die 42er Autoren, Die Autorinnen­vereinigung, der Bundesverband junger Autoren BVjA, Die Mörderischen Schwestern e.V., das Phantastik-Autoren-Netzwerk PAN, das PEN-Zentrum Deutschland, das Syndikat, das Three Seas’ Writers’ and Translators’ Council (TSWTC) und der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Das Netzwerk repräsentiere damit über 7.000 Autorinnen und Autoren der Literaturbranche.

Website netzwerk-autorenrechte.de

Der Berliner Literaturpreis 2017

… wird am 20. Februar 2017 an Ilma Rakusa (Jg. 1946) verliehen.
Rakusa sei eine maßgebliche Stimme jener – auch von Migrationserfahrung geprägten – vielsprachigen mitteleuropäischen Literatur, die durch nationalistischen Terror und kommunistische Diktaturen marginalisiert und aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurde. Neben ihrer eigenen literarischen Arbeit wirkt Ilma Rakusa als Übersetzerin sowie als eine Vermittlerin internationaler Literatur.

Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert, wird von der Stiftung Preußische Seehandlung verliehen und ist mit einer Gastprofessur an der FU Berlin verbunden.

Der Jury 2016 gehörten 2 Frauen und 3 Männer an.

PreisträgerInnen sind somit bisher 5 Frauen und 8 Männer:
Ilma Rakusa
Herta Müller

Durs Grünbein
Ilija Trojanow
Ulrich Peltzer
Dea Loher
Sibylle Lewitscharoff
Thomas Lehr
Rainald Goetz
Lukas Bärfuss
Hans Joachim Schädlich
Olga Martynova
Feridun Zaimoglu

guerrilla-11In Zahlen ausgedrückt: an Frauen gingen 150.000 €, an Männer 240.000 €.

Zwei Typen blöd und sie sehr erfolgreich

Der italienische „Enthüllungsjournalist“ Claudio Gatti hat sensationslüstern die Identität der unter dem Pseudonym Elena Ferrante weltweit erfolgreich schreibenden Autorin gelüftet und FAZ-Redakteur Andreas Platthaus sowie Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sind so blöd und präsentieren die Enthüllung als besondere Leistung inklusive Namensnennung. Was zum Glück auf kein Verständnis in der Öffentlichkeit stieß!

Als wäre das Nein einer Autorin kein Nein, so Iris Radisch.

Ferrante äußerte zuvor bezüglich ihres Pseudonyms, dass sie der Trubel abstoße, der heute um Autoren veranstaltet werde. Bücher sollten für sich selbst sprechen. Ihr Hausverlag ist übrigens ein Kleinverlag: Edizioni e/o in Rom.

cover-ferranteEin im Zusammenhang mit der Autorin und gewissen Verlags- und Buchmarktstrukturen echter Skandal ist es, dass deutsche Verlage zu lange zögerlich beim Lizenzkauf der Bücher von Elena Ferrante waren, gilt sie doch als wichtige Vertreterin zeitgenössischer Literatur. 2011 erschien ihr Roman „L’amica geniale“, der 2015 von der BBC zu den besten 20 Romanen von 2000 bis 2014 gewählt wurde. In Deutschland ist das Buch erst im August 2016 unter dem Titel „Meine geniale Freundin“  bei Suhrkamp erschienen.
Ihr Roman „Storia della bambina perduta“ („Die Geschichte des verlorenen Kindes“) war für den Man Booker International Prize 2016 nominiert.

Bis Ende 2017 sollen nun sämtliche Neapel-Romane von ihr auf Deutsch erscheinen:
„Meine geniale Freundin“, August 2016: Elena erzählt über die Kindheit und Jugend von sich und ihrer Freundin Lila in einem von Armut und Kriminalität geplagten Viertel Neapels.
„Die Geschichte des neuen Namens“, Februar 2017: die rivalisierende Freundschaft geht weiter, Lila heiratet viel zu früh, Elena geht zum Studium nach Pisa.
„Die Geschichte der getrennten Wege“, Juli 2017: Lila ist Arbeiterin, Elena erfolgreiche Autorin, aber ihre Freundschaft hält.
„Die Geschichte des verlorenen Kindes“, September 2017: die Freundinnen werden älter, es gibt eine zerbrechende Liebe und familiäre Zwänge, in einem von der Camorra dominierten  Neapel…

 

Lesung mit Anja Röhl

Im Mai diesen Jahres jährte sich der Todestag von Ulrike Meinhof zum 40. Mal. Ulrike Meinhof, geboren 07.10.1937, wurde am 09.05.1976 im Gefängnis Stammheim tot aufgefunden.

Am 07. Oktober 2016 gab es im Centro Sociale in Hamburg wieder eine Gelegenheit, Anja Röhl bei einer  Lesung aus ihrem Buch „Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike“ (Edition Nautilus 2013) zu erleben. Ulrike Meinhof war die neue Partnerin von Anjas Vater Klaus Rainer Röhl (Jg. 1928) und somit die „Stiefmutter“ von Anja Röhl, Jahrgang 1955.

Im Buch werden die familiären Entwicklungen geschildert. Im September 1962 gebar Ulrike Meinhof die Zwillinge Regine und Bettina Röhl, die Halbschwestern von Anja Röhl.
Alle drei Töchter haben ein schweres biografisches Erbe durch ihre Eltern zu tragen. Sexuelle Übergriffe des Vaters an seinen Töchtern Anja und Bettina, Trennungen, Scheidungen, früher Verlust der Mutter durch deren Tod im Falle von Bettina und Regine Röhl, extrem voneinander abweichende politische Ansichten und Aktivitäten innerhalb der Familienstrukturen – bis in die Gegenwart …

ulrike-meinhof-40

Das Buch von Anja Röhl ist in dem Sinne kein politisches Sachbuch, aber wie hieß es auch schon damals „Das Private ist politisch“. Und so erfüllt es seine Funktion als ein wichtiger Baustein, um sich der Biografie von Ulrike Meinhof anzunähern.
Empfehlenswert in diesem Zusammenhang sind desweiteren zwei Ulrike-Meinhof-Biographien: einmal von Jutta Ditfurth „Ulrike Meinhof. Die Biografie“ (Ullstein 2009) und von Katriina Lehto-Bleckert die Dissertation mit dem deutschen Titel „Ulrike Meinhof 1934-1976: Ihr Weg zur Terroristin“.

Interessant ist auch die WDR-Sendung von Sibylle Plogstedt mit Ulrike Meinhoffs Schwester Wienke Zitzlaff vom 28.09.2014, hier anzuhören.