Zum Todestag 07.02.2017 von Roger Willemsen

2016 habe ich auch Roger Willemsen (*1955) vermisst, der am 07. Februar 2016 ganz in meiner Nähe gestorben ist. Ich habe ihn als (traumatisierten) Menschen und Intellektuellen leider erst sehr spät entdeckt, durch die Medienberichte über seine Krebs-Diagnose im August 2015. (Mein Mann & Freund war nur wenige Wochen zuvor an Krebs gestorben.) Willemsen und seinem Umfeld ist es gelungen, das er seine letzten Lebensmonate geschützt vor grenzüberschreitenden Medienberichten verbringen konnte.

Der Afghanische Frauenverein e. V. hat seinen prominenten Schirmherrn verloren, der Brunnen und Schulen für Mädchen unterstützt hat. Nadia Nashir:

Roger hat seine kostbare Zeit und einen Großteil seines Vermögens als auch seine Auszeichnungen so selbstverständlich und bescheiden dazu verwendet, um Afghanistan zu helfen, dass kaum jemand davon wusste.

Und – Willemsen fehlt mir als Intellektueller und Mensch einfach in der deutschen Kultur. Ich hätte gerne noch weitere Bücher von ihm gelesen und seine Einschätzungen gehört. (Obwohl er ja – biografisch bedingt und in vielen seinen Büchern nachzulesen – mit Witwen ein Problem hatte …)

Jede der fünf Trauerreden brachte es auf den Punkt:

Er (Der Wesenszig der Emphatie) half dir aus der Melancholie, die der Subtext all deines Wirkens gewesen ist, hinaus in die Bewegung.

In einer weiteren hieß es:

Wir haben von Roger gelernt: Es geht nur darum, mit Menschen zu sprechen, sie zu sehen, sie zu verstehen, ihre Möglichkeiten auszudehnen, sie zu ermöglichen. Es geht nur darum, aufmerksam zu sein, immer entgegenkommend und alles im Blick zu behalten. (…) Es geht darum, das Leben als Augenblicke der Möglichkeiten zu empfinden, die genutzt werden wollen und die genutzt werden sollen. Auch noch das Ende des Lebens. Roger sagte, wenige Tage bevor er starb: »Ich bin im Reinen.« Er sagte das zwei Mal. »Ich bin im Reinen. Ich bin im Reinen.« Und er klang beim zweiten Mal so zufrieden, als hätte er gerade wieder etwas verstanden.

Meine Lieblings-CD von ihm ist „In aller Stille: Ein Dialog“ (zusammen mit der Geigerin Isabelle Faust; 2015). Da ist seine unverwechselbare Stimme zu hören, die mir fehlt.

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