„Elle“ (frz. „sie“) mit Isabelle Huppert

Das erste Mal erlebe ich es in einem Kino, das schon beim Abspann die Diskussionen zum Filmstoff bei den meisten BesucherInnen losgehen! Zuvor zwei Stunden packender Filmstoff mit humorvollen Szenen, Kopfschüttel-Szenen, Raten, Dramatik und unerwarteten Entwicklungen. Isabelle Huppert ist eine tolle Besetzung für die Protagonistin Michèle, die zusammen mit ihrer engen Freundin eine Film-Firma mit lauter Hipstern in Paris betreibt. Sie lebt stattlich mit ihrer Katze, hat seit ein paar Monaten einen neuen Geliebten, eine schönheitsoperierte, Callboy-konsumierende, gutsituierte Mutter und mit ihrem Ex-Mann, einem Autor, einen erwachsenen Sohn.
Traumatische Kindheitserlebnisse haben eine Frau aus ihr gemacht, die nach Überfall und Vergewaltigung ihren ganz eigenen Umgang damit findet – ohne Polizei.
Wenn ich nicht erfahren hätte, das der Film von Paul Verhoeven (* 1938) stammt, hätte ich gedacht, er sei von einem kreativen, gutgelaunten feministischen Filmkollektiv.
(Zudem bin ich wirklich froh, dass die Hauptrolle nicht von Nicole Kidman gespielt wurde.)
Elf Sterne, obwohl nur zehn möglich sind 🙂

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Termin für die Leipziger Buchmesse „Engagiert euch!“ am 24.03.2017

Engagiert euch!

»Warum Autorinnen und Autoren politisch werden müssen«
Diskussion auf der Leipziger Buchmesse mit Nina George, Janet Clark und Anke Gasch am 24. März 2017 (Messe-Freitag) von 14:30–15:00 Uhr beim Forum autoren@leipzig, Halle 5, D 600.

Die Autorenschaft in Deutschland stand weitestgehend ohne schlagkräftige Lobby da, um sich für Rechte einzusetzen oder sie zu verteidigen. Bis zur Gründung des Netzwerks Autorenrechte im Oktober 2016, das 7.000 SchriftstellerInnen aus neun unterschiedlichen Verbänden von BuchautorInnen repräsentiert.

»Neben autorenrechtlichen Belangen geht es uns um besondere Themen: Warum zum Beispiel schreibende Frauen bei Literaturpreisen, Förderungen oder Podiumsbesetzungen so selten bedacht werden, aber dafür online weit mehr Schmähungen oder Beleidigungen hinnehmen müssen als ihre männlichen Kollegen. Ebenso müssen wir als Schriftstellerinnen Stellung beziehen können – gegen rechtsextreme Positionen oder die Verfolgung unserer Kolleginnen in der Türkei.«, so Nina George.

Janet Clark, Präsidentin der Mörderischen Schwestern e.V. sieht auch die Buchbranche in der Pflicht, die Quellen zu schützen, von denen sie lebt – und AutorInnen nicht mit Flatrates, Preisdumping und der Konzentration auf Hyperbestseller finanziell weiter an den Rand zu drängen.

Das Netzwerk will aufklären, zeigen, wo was schiefläuft, Lösungsvorschläge für die Politik erarbeiten und zu Debatten unter den AutorInnen auffordern.

Mehr dazu: https://www.autorenwelt.de/blog/engagiert-euch

Der Carl-Amery-Literaturpreis (6.000 €)

….geht das vierte Mal in Folge an einen Mann. Vergeben wird er vom „Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di“ (VS).

Und dies sind die PreisträgerInnen:

2017: Thomas von Steinacker
2015: Norbert Niemann
2013: Ulrich Peltzer
2011: Ilija Trojanow
2009: Juli Zeh
2007: Feridun Zaimoglu

guerrilla-11Das ergibt an Geld:
30.000 € an Männer und 6.000 € an die eine Frau.

Das (unberechtigte) Jammern der Verlage und die (fehlenden) Rechte der AutorInnen

Die VG Wort vertritt 4.200 Verlage und über 100.000 Autorinnen und Autoren.
Derzeit ist das grösste Thema die Rückforderung der über 100 Millionen Euro von den Verlagen, die an die Verlage unter Vorbehalt gezahlt wurden und lt. richterlicher höchster  Instanz den AutorInnen zustehen.

Das Vorgehen der mittleren und großen Verlagshäuser, die nun das Geld er Autorinnen und Auten behalten wollen, stößt in den eigenen Reihen bei einigen Verlegerinnen und Verlegern auf Unverständnis: „Spätestens seit 2013 wissen wir Verleger aus dem Verlauf der Gerichtsverfahren, dass die Rückzahlungsforderung von VG Wort mit größter Wahrscheinlichkeit kommt. Daher war es seither nur realistisch, die Ausschüttungen in die Rückstellung zu buchen und nicht als wirklichen Gewinn zu werten.“ Die VG Wort habe die Tantiemen seit 2013 immer nur unter Vorbehalt an die Verlage ausgezahlt. (…) Unternehmen, die diese Umsätze deshalb zurückgestellt haben, konnten die Tantiemen deshalb „ohne irgendwelche Probleme“ an die VG Wort zurücküberweisen. „Mir ist das Selbstmitleid von Verlegern peinlich“, so Wolfgang Pabst im Artikel von Meedia. Pabst führt einen Wissenschaftsverlag für Medizin-, Pflege- und Psychologie-Themen.

Viele mittlere und große Verlage (siehe hier Beispiele vom Böhlau Verlag, Kiepenheuer & Witsch, Wochenschau Verlag, mareverlag, Tredition, Hoffmann & Campe, Franz Steiner Verlag, Piper Verlag, Droemer Knaur, Vandenhoeck & Ruprecht, Ullstein, Aufbau Verlag, Verlagshaus Würzburg, Carlsen Verlag, Verlag C. H. Beck u.a.) fordern nun von ihren AutorInnen, Verzichtserklärungen für die Jahre 2013-2015 zu unterschreiben, damit sie das Geld behalten können.
Jammern und Verzichtserklärungen von ihren AutorInnen einfordern – dies praktizieren paradoxerweise derzeit scheinbar vor allem Verlage, die es finanziell nicht nötig hätten.
Es wird aber im Kontext des VG-Wort-Urteils oft mit einer „existenziellen Bedrohung“ der kleiner(en) und unabhängigen Verlage argumentiert: die „Vielfalt der Verlagslandschaft“ sei in Gefahr. Aber gerade die kleinen Verlage zahl(t)en die Tantiemen oft umstandslos zurück. Fest steht, Marta Press (ein echt kleiner, unabhängiger Verlag) hatte überhaupt keine Probleme mit der Rückzahlung. Genauso geht es dem etwas grösseren  Uschtrin-Verlag, der auf seiner Facebook-Seite schreibt:

Gleich überweise ich die 8.185,16 Euro, die die VG WORT fälschlicherweise in den Jahren 2012 bis 2015 an meinen Verlag gezahlt hat. Ich habe damit kein Problem. Denn dieses Geld steht den Autorinnen und Autoren zu, ohne Wenn und Aber. Und weil die VG WORT mir (und allen anderen Verlagen) dieses Geld in diesen Jahren nur unter Vorbehalt ausgezahlt hat, habe ich es selbstverständlich nicht ausgegeben und kann es jetzt problemlos zurückzahlen. Ich kann AutorInnen nur raten, keine Verzichts-/Abtretungserklärung zu unterschreiben.

 

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