Visionen im Kontext von Verlagswesen, Buchhandel, AutorInnen und RezipientInnen

Gegenwärtig sind spannende Entwicklungen und – teils noch zögerliche – Weichenstellungen im Kontext von Wissensproduktion und -konsum zu beobachten. Folgende Verschiebungen und Entwicklungen hält die Verlegerin im Zuge der Digitalisierung in diesem Kontext in einigen Jahren für wahrscheinlich:
– das „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ (kurz: VLB) wird eine höherwertige Schnittstelle zwischen produzierenden und konsumierenden Einrichtungen einnehmen. Präzisere Verschlagwortungen & Stichwörter, Inhaltsverzeichnisse und umfangreichere Daten zu den Wissensproduzierenden/AutorInnen werden im VLB von qualifizierten Fachkräften der Verlage angelegt und von dort aus zentral abrufbar sein: sowohl für (End-)KonsumentInnen als auch Wissenseinrichtungen, Medien etc.
– Die manuellen bibliographischen Eingaben von BibliothekarInnen an den einzelnen Hochschulbibliotheken und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen entfallen.
– Buchbestellungen sind digital per VLB möglich.
– Die Bestellungen über den regionalen Buchhandel seitens der einzelnen Hochschulbibliotheken und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen entfallen.
– Jedes Buch im VLB ist in digitaler Form hinterlegt.
– Druckereien produzieren überwiegend im Digitaldruckverfahren bzw. weiter optimierten Verfahren. Im Offsetdruck werden nur noch wenige Werke gedruckt.
– Lagerkosten sinken demzufolge rapide für Druckereien, Verlage und herkömmliche Vertriebsstrukturen.
– das VLB fungiert als grösste Buch-Datenbank. Verkäufe/Abrufe werden direkt mit den einzelnen Verlagen bzw. Selfpublishern abgerechnet.

Wird fortgesetzt….

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Best Publication Award Gender & Medien 2017

Um laufende Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Gender Media Studies hervorzuheben und zu fördern, hat die AG Gender/Queer Studies und Medienwissenschaft der Gesellschaft für Medienwissenschaft den „Best Publication Award Gender & Medien“ ins Leben gerufen, der 2010 erstmals verliehen wurde. Er ist mit 1.000 € dotiert.
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Splitter von der Leipziger Buchmesse 2017

teutscher-teich
Gut positioniert gegenüber vom Compact-Stand

Donnerstag 23.03.2017 Anreisetag.
Im Zug ab Berlin sitzen uns drei junge Männer gegenüber: einer mit tätowierten Armen („Die Stunde der Sieger“ etc.), der andere mit blondem Seitenscheitel, Bomberjacke und einem Körpertick, der Dritte einfach nur sehr lang. Ein bisschen wie 90er und voll ostdeutsches Klischee. Nix Innovatives, denke ich.

Noch auf dem Leipziger Hauptbahnhof treffe ich zufällig – nach Jahren des Nichtsehens – einen bekannten Journalisten und Autor, der in einem der nächsten bei Marta Press erscheinenden Sammelband vertreten sein wird.

Am Donnerstagabend war ich als Verlegerin zum Independence-Dinner eingeladen in einer IN-Location in Leipzig. Viele der dort anwesenden Verlegerinnen und Verleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind 55+ und kennen sich seit zig-Jahren. Es gab u. a. kurze Redebeiträge von Britta Jürgs (Konrad-Wolff-Stiftung),  Ursi Anna Aeschbacher (SWIPS) und Alexander Potyka (Arge Österreichische Privatverlage) sowie Essen und Trinken satt. Ich erfahre an meinem Tisch von einer Schweizer Verlegerin, wie schwierig es ist, wenn es im Land wie der Schweiz keine Buchpreisbindung gibt und die LeserInnen lieber in umliegenden Ländern oder online ihre Bücher kaufen, der Verlag aber Betriebskosten nach Schweizer Konditionen hat.
An meinem Tisch nahm eine Journalistin das Trinken zu eifrig wahr: es gab eine unappetitliche Szene, als sie sich unauffällig wähnte, ihr Besteck fiel runter und das letzte, das ich von ihr sah, war, wie sie einem Verleger auf die Haut rückte.
Für mich als Neu-Verlegerin mit Noch-Keinen-Kontakten und einer Extrovertiertheit gegen Null, die es aber immerhin mit einem Buch auf die Longlist geschafft hatte, war diese Veranstaltung (noch) eher Herausforderung statt Chance.

Freitag 24.03.2017 Messetag.
An dem Eingang der Halle 5 treffen wir sogleich auf den Hamburger Verlag PUNKTUM Bücher! und erfahren von der Verlegerin erste Informationen über die Organisation der Messe und die Standpreise. Fazit nach einigen Gesprächen mit AusstellerInnen: Wenn man einen 2×2 Meter Stand bucht, ist man locker mit 1.000 € inkl. MwSt. dabei. Mit Kosten für Personal, Reise, Unterkunft für 4 Messetage und Werbemitteln kommen da eher 3.000 als 2.000 € Ausgaben für eine Messebeteiligung zusammen. Das will überlegt sein. Ein Gemeinschaftsstand macht möglicherweise Sinn.
Von einer Vertreterin eines linken Hamburger Verlages erfahren wir, dass der Verlag im Börsenverein Mitglied ist, obwohl man mit dessen (verlags-)politischen Aussagen nicht übereinstimmt. Aber einige Vorteile hat so eine Mitgliedschaft schon: man kann mit der Börsenverein-Mitgliedschaft in die Kurt-Wolff-Stiftung aufgenommen werden, sich um den Deutschen Buchpreis bewerben und Rechtsauskünfte erhalten.
Das erste Mal in Leipzig dabei ist dieses Jahr der 1987 gegründete renommierte Ulrike Helmer Verlag.

Das Messe-Begleitprogramm mit 3.583 Lesungen und Diskussionsrunden ist äußerst umfangreich. Will man sich ein individuelles Programm zusammenstellen, kann man hierfür gut in der Datenbank recherchieren oder sich durch das Leipzig-liest-Buch blättern. In den Messehallen selber ist der Geräuschpegel ziemlich hoch und viele Menschen sind in fast ständiger Bewegung um einen rum. Manche AutorInnen lesen ambitioniert vor leeren Stühlen, manche, so bekommt man am Rande mit, können hoffentlich bzw. sicherlich besser schreiben als lesen…

Neben linken Verlagen sind Selfpublisher-DienstleisterInnen und -AutorInnen und religiöse Verlage vertreten.

Es gibt zudem mindestens drei Stände der Neuen Rechten bzw. mit rechtspopulistischer, Pegida- und AfD-naher Ausrichtung: den Ahriman-Verlag, das Magazin Compactdie Wochenzeitung Junge Freiheit und die antifeministische Zeitschrift Deutsche Sprachwelt.
Feministische und/oder antirassistische Gegenaktionen wie den Offenen Brief gegen Compact (2016) gab es 2017 nicht. Dafür eine Minidemo am Compact-Stand am letzten Messetag. Die Messe dient der Gewöhnung an die Ideologie der Neuen Rechte und den von ihr praktizierten Antifeminismus.


Was sonst noch geschah: Margarete Stokowski bloggt  in der taz, das ihre Freundin Ronja von Rönne am Messetag um 7 Uhr Zugfahren muss. Ja, Komfort-Autorinnen haben es echt schwer. Im taz-Blubbertalk versuchen zwei Pop/Post- und eine (ehemalige?) Antifeministin mit ihren Coffee-Bechern super cool zu wirken. Kathrin Gottschalk, stellv. taz-Chefredakteurin, weiß, das die „linken Dauerdemonstranten (…) halt ihre abgegriffenen Parolen haben“ (Minute 29:41) und Ronja von Rönne lässt uns teilhaben an ihrer Erkenntnis – da sie u. a. auch Flugangst kennt -, das bei „legitimer Angst seitens von besorgten Bürgern“ diese sich „mit einer Tasse Kaffee und einem Flüchtling in ein Zimmer setzen sollten“ (Minute 30:07). Denn bei Ängsten helfe nur Konfrontation!
Konfrontieren sollte man diese Frauen auch mit dem Unsinn ihrer Aussagen, ihren Stereotypen und ihrem Halbwissen. Als (re)produzierende Medienfrauen (Buch-Autorin, Spiegel-Online-Autorin, stellv. taz-Chefredakteurin) haben sie die Verantwortung, auch für Wissen für sich selbst zu sorgen.
Es ist nicht die Aufgabe von Flüchtlingen, deutschen Menschen „Angst“ zu nehmen. Und die AfD wird auch nicht nur von 80-jährigen Pegida-DemonstrantInnen umjubelt, wie Rönne meint. (Doch nicht?) komisch, das es für solche platten Aussagen in dem taz-Forum Beifall gab.

Unsere Rückfahrt wird überschattet von einem tödlichen Unglücksfall im Zugverkehr und unsoziales Verhalten von gutbürgerlichen weiblichen weißen Fahrgästen.

Wie wir 2018 auf der Messe vertreten sein werden, werden wir uns in Ruhe überlegen.

Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (15.000 €)

Der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung wird an AutorInnen verliehen, „die der Freiheit das Wort geben.“

Preisträger/innen:

2017: Michael Köhlmeier
2016: Michael Kleeberg
2015: Marica Bodrožić
2014: Rüdiger Safranski
2013: Martin Mosebach
2012: Tuvia Rübner
2011: Arno Geiger
2010: Cees Nooteboom
2009: Uwe Tellkamp
2008: Ralf Rothmann
2007: Petra Morsbach
2006: Daniel Kehlmann
2005: Wulf Kirsten
2004: Herta Müller
2003: Patrick Roth
2002: Adam Zagajewski
2001: Norbert Gstrein
2000: Louis Begley
1999: Burkhard Spinnen
1998: Hartmut Lange
1997: Thomas Hürlimann
1996: Günter de Bruyn
1995: Hilde Domin
1994: Walter Kempowski
1993: Sarah Kirsch

guerrilla-11 Das macht dann bis 2017: 20 Männer und 5 Frauen. Mit 4 zu 1 das übliche Zahlenverhältnis also.

 

www.vginfo.org

Die Initiative www.vginfo.org , eine kritische Plattform gegenüber den Verwertungsgesellschaften, hat einen 4-seitigen alternativen Satzungsentwurf erarbeitet, um den Sichtweisen der AutorInnen mehr Gewicht zu verleihen.
AutorInnen sollten sich dringend mit dieser Problematik auseinandersetzen, denn die EU arbeitet „mit Hochdruck darauf hin, dass die Urheber/innen in Zukunft nicht mehr selbst entscheiden sollen (ob sie die Verleger/innen an ihren Ausschüttungen beteiligen, Anm. d. Verlegerin). Vielmehr sollen die Verleger/innen in Zukunft einen Rechtsanspruch auf Beteiligung gegen die Autorinnen und Autoren, auf Beteiligung an deren ,gerechtem Ausgleich‘ bekommen“, so sinngemäß vginfo.org.

Wikipedia und die (fehlenden) Frauen

wikipedia-edit

Das ist ja so ein Dauerding, dass Frauen die Lust an Wikipedia schnell vergeht: weil Frauen darin einfach zu wenig inhaltlich präsent sind. Männnliche „Torwächter“ haben anscheinend den ganzen lieben langen Tag nix anderes zu tun, als Löschanträge zu stellen bei Beiträgen, die über Frauen sind. Weniger als 10 Prozent der Wikipedia-AutorInnen sind Frauen. Damit sich inhaltlich etwas ändert, gibt es mehrere Aktionen, eine nun hier bei uns in Deutschland: in München am 01. April 2017!
An diesem Samstag wollen Menschen die Wikipedia mit namhaften Künstlerinnen, Musikerinnen, Feministinnen… bereichern beziehungsweise Artikel mit Fotos, Text etc.  ergänzen. Die Art+Feminism Edit-a-thons finden jährlich weltweit in Institutionen wie dem Museum of Modern Art, New York; der Tate, London; der Yale University statt.

MÜNCHENS ERSTER ART+FEMINISM WIKIPEDIA EDIT-A-THON
1. APRIL → 10:30 – 18:00 Uhr Halle der PLATFORM Kistlerhofstr. 70 → Haus 60 → 3. Stock 81379 München

vorläufiger Ablauf:
Registrierung & Welcome Coffee → 10:30 UHR
Kickoff & Paneldiskussion → 11:00 Uhr
Einführung ins Editieren → 12:30 Uhr
Mittagessen → 14:00 Uhr
Erste Editierrunde → 15:00 Uhr
Zweite Editierrunde → 16:30 Uhr
Gemeinsamer Abschluss → 17:30
Bei Bedarf wird die Veranstaltung zweisprachig (Deutsch und Englisch) durchgeführt.
Bitte bring deinen eigenen Laptop mit!
Und falls vorhanden auch gerne Literatur zum Thema Kunst, Kultur und Feminismus.
Für Getränke, Essen und Kinderbetreuung ist gesorgt. Der Eintritt ist frei.
Bitte melde dich bis 27.03. an!  Anmelden geht hier.

Die Eindrücke hier und hier machen Lust auf solche Aktionen. Hier die nächsten Termine/Orte. Die Universitäten in Deutschland wären doch toll für ebensolche Aktionen!