Es war ganz viel in Deutschland…

Moritz Bleibtreu im Film „Es war einmal in Deutschland….“:

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Schreiben im geteilten Deutschland – Emanzipation und Erbe

Einen sehr guten Rückblick auf diese Podiumsdiskussion, die im Januar 2017 stattfand, geben Maria-Magdalena Pela und Katrin Neukirch auf Seite 37 in der Ausgabe 54 des Bulletin Info des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Berliner Humboldt-Universität.

Es war uns wichtig das weibliche Schreiben in den Mittelpunkt zu rücken, denn noch immer besteht auf vielen Ebenen ein Missverhältnis in der Wahrnehmung und Wertschätzung von Literatur von Frauen. Die Subordination der weiblichen Literatur findet sich in offiziellen literarischen Kanons, bei Preisverleihungen sowie bei der Bezahlung der Autorinnen.

Ohne Worte: von den eingeladenen Männern aus Wissenschaft und Verlagswesen ist niemand gekommen.

Kein bzw. nur geringer Lohn für PraktikantInnen in Verlagen

Eine Umfrage von Junge Verlagsmenschen hat peinliche Resultate über Verlage ergeben:

  • 60 Prozent aller Volontariate dauerten länger als ein Jahr.
  • 28 Prozent der VolontärInnen gaben an, „oft oder immer“ Überstunden zu leisten.
  • VolontärInnen verdienen durchschnittlich 1.327 Euro brutto (das sind 210 € mehr als vor Einführung des Mindestlohns).
  • Für den Ausbildungscharakter des Volontariats fehlen häufig ein/e BetreuerIn, ein Ausbildungsplan und die Möglichkeit zur Weiterbildung. Stattdessen ersetzen sehr viele VolontärInnen eine reguläre Fachkraft.
  • 38 Prozent der Praktika waren unbezahlt.
  • Im Schnitt verdiente ein/e Praktikant/in 287 Euro brutto (2015: 275 Euro).
  • Verlage stellen bevorzugt PflichtpraktikantInnen ein, für die kein Mindestlohn fällig ist.

Mit einem Praktikums-Lohn unter 300 € kann man in Städten wie Hamburg nicht einmal ein WG-Zimmer bezahlen. So erweisen sich diese Strukturen der Niedrig- bzw. Nichtentlohung bereits als Hindernisse für diejenigen jungen Nachwuchskräfte, die gerne in Verlagen tätig sein würden, aber keinen finanziellen Background haben, der ihnen die Möglichkeit erlaubt, ein unbezahltes bzw. kaum bezahltes Praktikum durchzuführen.

Leider setzen sich weder der Deutsche Börsenverein, noch das Netzwerk der Bücherfrauen oder die Kurt-Wolff-Stiftung für eine angemessene Entlohnung von PraktikantInnen (und VolontärInnen) ausdrücklich ein.

2014 äußerte Norsin Tancik von buchkarriere.de in einer Umfrage vom Börsenblatt:

Die Indies bezahlen den Nachwuchs oft schlecht – oft genug sind es aber auch größere Häuser, die bei der Ausbildung den Geldbeutel zusammenkneifen.

Und Valeska Henze, Bücherfrau, erklärte 2014:

Gemeinsam ist uns, dass wir alle in einer Branche mit hohem Selbstausbeutungspotenzial arbeiten und viele dabei in den unteren Honorar- oder Gehaltsgruppen landen. Ein Mindestlohn könnte da einen Einstieg in die adäquate Entlohnung innerhalb der Branche bedeuten, und hoffentlich auch eine Nivellierung der Entgeltunterschiede zwischen den Geschlechtern einleiten. (…) Volontariate und längere Praktika sollten idealerweise auch berücksichtigt werden, auch wenn dies für viele kleine Verlage wahrscheinlich schwierig zu bewerkstelligen wäre. Aber grundsätzlich sollten Verlage erst einmal in die Pflicht genommen werden, Arbeit angemessen zu vergüten.

Für die aktuelle, o. g. Umfrage unter Nachwuchskräften hat der Verein Junge Verlagsmenschen die Angaben von 798 Personen ausgewertet, darunter 440 Young Professionals, 247 Volontäre und 176 PraktikantInnen.

Zwischendurch: Verlagsalltag

Diese große Buchkette hat erst ungefähr das dritte Mal bei uns Bücher bestellt. Und nun schickt sie eine Bestellung über drei Exemplare einer Neuerscheinung. Das Lustige: sie schickt sogleich eine Preisaufstellung mit, die einen ausgesprochen guten Rabatt zu ihren Gunsten enthält. Den würden wir der Buchkette gewähren, wenn sie öfter bei uns bestellen würde. So aber wird das nischt und wir berechnen unseren üblichen Rabatt!
Hinzu kommt, das die Bücher in eine Filiale und die Rechnung auf dem Postweg an die Zentrale gesandt werden sollen. Das bedeutet noch einmal mehr Kosten für den Verlag. Aber das nur nebenbei…