Siebenhaar: Verlagen und HändlerInnen geht`s stabil

Handelsblatt-Autor Hans-Peter Siebenhaar kritisiert in seinem neuen Beitrag das Jammern des Börsenvereins, der offiziell die Buchhändler/innen und Verlage vertritt.

Nach den bisherigen „Bedrohungen“ der Branche durch „das Internet“, Apple, Google, Amazon, die Digitalisierung, dem Urteil des Bundesgerichtes zur Ausschüttung der VG Wort-Anteile usw. usf. wird nun das geplante Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz der Bundesregierung dazu benutzt, Untergangsszenarien zu beschwören.

Wahr ist: Verlage und Buchhändler/innen haben beneidenswert stabile ökonomische Situationen (anders als Zeitungs- und Zeitschriftenverlage). In 2016 verzeichneten sie in Deutschland 9,28 Milliarden Euro Umsatz. Zum Vergleich: 2006  lag der Umsatz bei 9,26 Milliarden Euro.
Das Jammern ist also völlig überflüssig. Eher sollte man sich den drängenden Modernisierungsanforderungen stellen, denen die festgefahrenen Vorstellungen einer traditionellen Entstehungs- und Verwertungskette des Buches entgegen stehen.

Rechte und/oder antifeministische Lektüren

Verlegerinnen und Verleger sowie Autorinnen und Autoren mit (neu)rechten und/oder  antifeministischen Positionen gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts. Immer wieder gelingt es ihnen, auch nicht-rechte Strukturen für Public Relation zu nutzen wie bei Buchmessen, als Werbebeilagen in nicht-rechten Medien etc.

Heutzutage publizieren auch Mainstream-Sachbuch-Verlage Werke von antifeministischen AutorInnen. Da brauchen sich die Herren Verleger nicht selbst die Hände schmutzig zu machen, sondern fungieren als Multiplikatoren. Im LIT-Verlag von Dr. Wilhelm Hopf erschien das Buch „Das Gender-Paradoxon“ von Prof. Dr. Ulrich Kutschera. Kutschera behauptet darin, das Feministinnen „Mann-Weiber“ seien und Mafiaähnliche Methoden anwenden, um ihre „fundamentalistische Ideologie“ durchzusetzen. Gender Studies seien wie ein „Krebs-Geschwür“. Auch schön das Zitat von ihm:

„Da es immer mehr studierte Damen gibt, fehlen für Männer ohne Hochschulabschluss Frauen mit gleichem (bzw. niedrigerem) Bildungsniveau. Diese gebildeten, nicht aber studierten Männer finden demgemäß keine Partnerin mehr und sind dann auf Import-Bräute (z.B. aus Thailand) angewiesen.“

Der Verlag Weissbooks von Dr. Reiner Weiss (zuständig für das Programm) veröffentlichte das Buch „Wer will schon Quotilde sein. Gegen Quotenwahn und Gleichmacherei“ von Mona Jaeger, nun FAZ-Redakteurin.
Und Antifeministin Birgit Kelle, Autorin in neurechten Medien wie eigentümlich frei oder Junge Freiheit, publiziert im Adeo-Verlag von Stefan Wiesner, der auch Bücher von Margot Käsmann herausbringt.

Am 09. Juni 2017 sorgte ein langjähriger Spiegel-Redakteur dafür, dass der rechte Antaios Verlag (Schnellroda) des neurechten Publizisten Götz Kubitschek mit einem Buch von Rolf Peter Sieferle auf Platz 9 der Sachbuchliste des Monats Juni kam. Die Empfehlungsliste der Süddeutschen Zeitung (SZ) und des Norddeutschen Rundfunks (NDR), die auch im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht wurde, enthielt so ein Buch mit antisemitischen und neurechten Tiraden.

Zur Jury gehörten René Aguigah (Deutschlandradio), Dr. Jens Bisky (SZ), Prof. Dr. Rainer Blasius (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Dr. Eike Gebhardt, Daniel Haufler (Berliner Zeitung), Dr. Otto Kallscheuer, Petra Kammann (inrheinkultur), Elisabeth Kiderlen, Jörg-Dieter Kogel (Radio Bremen), Prof. Dr. Ludger Lütkehaus, Prof. Dr. Herfried Münkler (Humboldt Universität zu Berlin), Dr. Jutta Person (Philosophie Magazin), Wolfgang Ritschl (ORF Wien), Florian Rötzer (Telepolis), Dr. Johannes Saltzwedel (Der Spiegel), Sabine Sasse, Albert von Schirnding, Dr. Frank Schubert (Spektrum der Wissenschaft), Dr. Jacques Schuster (Die Welt), Norbert Seitz (Deutschlandfunk Köln), Hilal Sezgin, Dr. Elisabeth von Thadden (Die Zeit), Dr. Uwe Justus Wenzel (Neue Zürcher Zeitung), Stefan Zweifel (Schweizer Kritiker). Den Vorsitz hatte Dr. Andreas Wang (NDR Kultur).
(Nur mal am Rande: 6 Frauen und 19 Männer!).

Jens Bisky ist umgehend am 11. Juni 2017 aus der Jury ausgetreten, während sich NDR Kultur erst am 12. Juni 2017 von der Entscheidung der Jury distanzierte.

Nachtrag vom 13.06.2017:
20 Punkte konnte ein Jurymitglied an verschiedene Bücher vergeben, meistens wurden diese auf zwei bis vier Bücher aufgeteilt. Mittlerweile bekannte sich der Spiegel-Redakteur Dr.  Johannes Saltzwedel dazu, dem Buch „Finis Germania“ seine 20 Punkte gegeben zu haben, um das Buch auf die Liste zu bekommen. Saltzwedel kam inzwischen der Aufforderung des Jury-Vorsitzenden zum Austritt aus der Jury nach. Seine Erklärung zu seiner Motivation und Entscheidung, jeden Satz des Autors „diskutieren zu wollen“, ist dumm, würde sie doch im Umkehrschluß bedeuten, dass ausgerechnet fragwürdige rassistische, antifeministische und sexistische Bücher zu nominieren seien, um sie zu „diskutieren“.
Schwach auch, dass erst mediale Reaktionen dazu führten, dass sich ein öffentlich-rechtlicher Sender Tage nach der Veröffentlichung distanzierte.

 

 

 

True Trump News

Das Regierungsbüro von US-Präsident Donald Trump ließ in einer gemeinsamen Pressererklärung von Donald und Melania Trump vom 16. Mai 2017 in Washington verlauten, dass der amtierende US-Präsident Donald Trump sich dazu entschlossen hat, einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Ermutigt habe Trump Caitlyn Jenner, ehemals Bruce William Jenner, der sich mit über 60 Jahren ebenfalls zu diesem Schritt entschlossen hatte.
Donald Trump möchte zukünftig unter den Namen Donna McTrump weiter die US-Regierungsgeschäfte führen, allerdings mit einer harten Kursänderung. Damit wird Donna McTrump die erste weibliche US-Präsidentin sein!

Melania Trump begrüsst ausdrücklich die Entscheidung ihres Mannes und wird mit Donna McTrump eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft führen, da aus ihrer Beziehung mittlerweile wahre Liebe geworden ist.

Melania Trump war jahrelang in der feministischen Organisation Femen Slowenien aktiv. Als das Zeigen ihrer nackter Brüste kaum noch zu Medienrelevanz führte, entschloss sie sich in Absprache mit anderen Femen-Frauen zu dem scharfsinnigen Plan, einen möglichst alten, reichen und nicht attraktiven US-Bürger aufzutun, um durch dessen Naivität und Know-How (you know?) an die Macht einer führenden Industrienation zu gelangen. Dazu nahm sie sogar Schönheitsoperationen wie Brustvergrösserungen in Kauf und räumte mit vermeintlichen Designklamotten noch ein paar Portemonnaies der Oberklasse.

Melania und Donna geben der Öffentlichkeit weiterhin bekannt, dass es als Paar ihre Strategie war, mit schwachsinnigen, antifeministischen, rassistischen und naiven Wahlversprechen zuerst das Vertrauen der US-Wählerinnen und Wähler sowie des Machos Putins zu gewinnen, um mit schlichten Slogans wie „USA first“ an die Regierungsmacht zu gelangen. Nachdem beide ihr Ziel erreicht haben, wollen sie sich zukünftig nun aber um die wahren Bedürfnisse der Welt kümmern: gute Lebenschancen für alle Menschen, Toleranz und Weltfrieden. Schacka!

Schreiben im geteilten Deutschland – Emanzipation und Erbe

Einen sehr guten Rückblick auf diese Podiumsdiskussion, die im Januar 2017 stattfand, geben Maria-Magdalena Pela und Katrin Neukirch auf Seite 37 in der Ausgabe 54 des Bulletin Info des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Berliner Humboldt-Universität.

Es war uns wichtig das weibliche Schreiben in den Mittelpunkt zu rücken, denn noch immer besteht auf vielen Ebenen ein Missverhältnis in der Wahrnehmung und Wertschätzung von Literatur von Frauen. Die Subordination der weiblichen Literatur findet sich in offiziellen literarischen Kanons, bei Preisverleihungen sowie bei der Bezahlung der Autorinnen.

Ohne Worte: von den eingeladenen Männern aus Wissenschaft und Verlagswesen ist niemand gekommen.

Kein bzw. nur geringer Lohn für PraktikantInnen in Verlagen

Eine Umfrage von Junge Verlagsmenschen hat peinliche Resultate über Verlage ergeben:

  • 60 Prozent aller Volontariate dauerten länger als ein Jahr.
  • 28 Prozent der VolontärInnen gaben an, „oft oder immer“ Überstunden zu leisten.
  • VolontärInnen verdienen durchschnittlich 1.327 Euro brutto (das sind 210 € mehr als vor Einführung des Mindestlohns).
  • Für den Ausbildungscharakter des Volontariats fehlen häufig ein/e BetreuerIn, ein Ausbildungsplan und die Möglichkeit zur Weiterbildung. Stattdessen ersetzen sehr viele VolontärInnen eine reguläre Fachkraft.
  • 38 Prozent der Praktika waren unbezahlt.
  • Im Schnitt verdiente ein/e Praktikant/in 287 Euro brutto (2015: 275 Euro).
  • Verlage stellen bevorzugt PflichtpraktikantInnen ein, für die kein Mindestlohn fällig ist.

Mit einem Praktikums-Lohn unter 300 € kann man in Städten wie Hamburg nicht einmal ein WG-Zimmer bezahlen. So erweisen sich diese Strukturen der Niedrig- bzw. Nichtentlohung bereits als Hindernisse für diejenigen jungen Nachwuchskräfte, die gerne in Verlagen tätig sein würden, aber keinen finanziellen Background haben, der ihnen die Möglichkeit erlaubt, ein unbezahltes bzw. kaum bezahltes Praktikum durchzuführen.

Leider setzen sich weder der Deutsche Börsenverein, noch das Netzwerk der Bücherfrauen oder die Kurt-Wolff-Stiftung für eine angemessene Entlohnung von PraktikantInnen (und VolontärInnen) ausdrücklich ein.

2014 äußerte Norsin Tancik von buchkarriere.de in einer Umfrage vom Börsenblatt:

Die Indies bezahlen den Nachwuchs oft schlecht – oft genug sind es aber auch größere Häuser, die bei der Ausbildung den Geldbeutel zusammenkneifen.

Und Valeska Henze, Bücherfrau, erklärte 2014:

Gemeinsam ist uns, dass wir alle in einer Branche mit hohem Selbstausbeutungspotenzial arbeiten und viele dabei in den unteren Honorar- oder Gehaltsgruppen landen. Ein Mindestlohn könnte da einen Einstieg in die adäquate Entlohnung innerhalb der Branche bedeuten, und hoffentlich auch eine Nivellierung der Entgeltunterschiede zwischen den Geschlechtern einleiten. (…) Volontariate und längere Praktika sollten idealerweise auch berücksichtigt werden, auch wenn dies für viele kleine Verlage wahrscheinlich schwierig zu bewerkstelligen wäre. Aber grundsätzlich sollten Verlage erst einmal in die Pflicht genommen werden, Arbeit angemessen zu vergüten.

Für die aktuelle, o. g. Umfrage unter Nachwuchskräften hat der Verein Junge Verlagsmenschen die Angaben von 798 Personen ausgewertet, darunter 440 Young Professionals, 247 Volontäre und 176 PraktikantInnen.